Empowerment & Antirassismus

 
 

"Rassismus umfasst Ideologien und Praxisformen auf der Basis der Konstruktion von Menschengruppen als Abstammungs- und Herkunftsgemeinschaften, denen kollektive Merkmale zugeschrieben werden, die implizit oder explizit bewertet und als nicht oder nur schwer veränderbar interpretiert werden", definierte Johannes Zerger den Begriff.

Vor dieser Definition ist nicht zu leugnen, dass Rassismus, sowohl auf individueller als auch auf struktureller Ebene in Deutschland weit verbreitet ist. Und angesichts des rasanten Aufstiegs rechtspopulistischer Bewegungen wie der AfD und ihrer Geistesverwandten in den Nachbarländern, angesichts von unverhohlenem Rassismus in Teilen der Bundeswehr, angesichts der rassistisch motivierten Mordserie des NSU ist ebenso klar, dass antirassistische Arbeit für die WERKSTATT DER KULTUREN von größter Bedeutung ist.

Die wesentliche Strategie der WERKSTATT DER KULTUREN, um Rassismus entgegenzutreten, besteht darin empowerment-kompetenten Akteuer*innen mit Rassimuserfahrung die benötigten analogen und digitalen (social media)-Räume für ihre künstlerischen, kulturaktivistischen diskursiven Empowermentstrategien zu stellen.

Kurator*innen und Produzent*innen, häufig mit außereuropäischen biographischen Bezügen und Kulturkompetenzen, gestalten den Großteil des künstlerischen und diskursiven Programms in der WERKSTATT DER KULTUREN.  Nur so können wir sicher stellen, unsere diversen Publika mit für sie relevanten Einzelveranstaltungen, Reihen und Festivalformaten anzusprechen.

So stellt die WERKSTATT DER KULTUREN sicher, dass sich im Hause das Knowhow um repräsentationsrelevante Positionen und Debatten unaufhörlich erneuert, um weiterhin Diskurse in den für uns relevanten Feldern kompetent mitinitiieren und mitgestalten zu können.

Zudem bietet die WERKSTATT DER KULTUREN migrantischen Organisationen und anderen marginalisierten Gruppen den benötigten Raum, sowie Technik, inhaltliche Beratung und logistische Unterstützung bei der Verwirklichung ihrer eigenen Veranstaltungsaktivitäten.

  • Empowerment ist Hauptmotivation großer Teile des jährlich im Februar in der WERKSTATT DER KULTUREN stattfindenden BLACK HISTORY MONTH, der Konzerte, Lesungen, Filme, Tanz- und Theaterperformances mit Reflexionen über die Geschichte Afrikas und ihre kulturellen Verbindungen zum Black Atlantic sowie deren Bedeutungen für die diversen afro-diasporischen Gemeinden in Berlin verbindet.
  • Um Empowerment geht es bei Veranstaltungen wie der Comedy Show von Hari Kondabolu, (2016) bei zahlreiche Events von Roma-Organisationen wie Amaro Foro e.V. oder Hildegard-Lagrenne-Stiftung, bei regelmäßigen Tagungen des Instituts für Sprache und Kultur der Kirmancî, wie auch von moveGlobal e.V. („Gesellschaftlichen Verantwortung in Berlin: Herausforderungen und Perspektiven“) oder die Bundeskonferenz der Neuen deutschen Medienmacher e.V..
  • Zahlreiche diskursive Formate wie der Familienevent „Kinderbuch-Party“ oder die mit Michel Friedman prominent besetzte Live-Polit-Talkreihe „Playing in the Dark“bei denen es darum ging Kontrapunkte zu setzen vis-à-vis aggressiver, sich Klischees und Fremdzuschreibungen bedienender Mainstreamdebatten
  • die mit ReachOut e.V. durchgeführte Reihe „Rassismus im Gerichtssaal
  • die Diskussionsabende mit der Initiative Salam Schalom
  • die langjährige Zusammenarbeit mit dem Koreaverband
  • Hinzu kamen zahlreiche Buchpräsentationen und Panels wie beispielsweise z.B. von und mit Guardian Journalist Gary Younge (The Speech. The Story behind Dr. Martin Luther King Jr.'s Dream), oder Marion Kraft (Hg.) (Kinder der Befreiung).
     

Nachdem lange Zeit die Folgen der Arbeitsmigration aus Süd- und Südosteuropa, der Türkei und dem Maghreb im Mittelpunkt des öffentlichen Diskurses standen (und Arbeitsmigrant*innen aus anderen EU-Ländern, aus Nordamerika oder Ostasien weitgehend unbeachtet blieben - ganz zu schweigen von den zahlreichen Menschen mit transkulturellen Biographien), stellt sich die in diesem Kontext derzeit dringlichste repräsentationspolitische Herausforderung durch die kriegsbedingte Asylmigration aus Syrien, Irak, Afghanistan, Eritrea und anderen Ländern nach Berlin.

Aber bereits seit über zwei Jahrzehnten finden in der WERKSTATT DER KULTUREN regelmäßig unterschiedliche Bearbeitungen der Themen Flucht und Asyl statt.  So veranstaltet die WERKSTATT DER KULTUREN bereits seit den 90er Jahren themen- und regionalspezifische Informations- und Kulturveranstaltungen gemeinsam mit NGOs wie dem deutsch-iranischen Flüchtlingsverein e.V., dem Medibüro e.V., dem afghanischen Kulturzentrum, mit Korientation e.V. oder der RAA.

Unter der Überschrift „Raum für Flucht!“ stellt die WERKSTATT DER KULTUREN seit 2015 jeden Mittwoch selbstorganisierten Refugee-Initiativen ihre Räumlichkeiten, ihre Technik sowie Veranstaltungstechniker und -betreuer*innen für unterschiedliche Veranstaltungsformate zur Verfügung. Ob es dabei beispielsweise darum geht, marginalisierte Gruppen mit für gesellschaftliche Teilhabe nötigem juristischem Know-how zu versorgen, oder die Bedeutung kultureller Differenz für verschiedene gesamtgesellschaftliche Bereiche deutlich zu machen - unser Haus steht hier für die unterschiedlichsten Inhalte offen. Ziel des Formates „Raum für Flucht!“, das auch in 2018 weitergeführt werden wird, ist es, möglichst viele Berliner Initiativen, die zum Thema Asylmigration und Exil arbeiten, zu unterstützen.


  


Die WERKSTATT DER KULTUREN wird gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa.