Gnaoua Festival 2019

 
 



ARCHIV & AVANTGARDE – AFRICAN CULTURAL HERITAGE

»To us, Gnawa stands above all other kinds of music.
It’s our childhood. It’s spiritual healing, and it makes you feel grounded.«
Asmâa Hamzaoui

»In der Zukunft möchte ich die arabische und afrikanische Musik noch intensiver studieren.
Sie ist so reich, das ist eigentlich eine Lebensaufgabe.«
Joachim Kühn

Programm

Mi, 14. August 2019

Do, 15. August 2019

Fr, 16. August 2019

Sa, 17. August 2019

   

 

VVK 12,00 EUR
AK 16,00 EUR / 12,00 EUR erm.
 

Kuration: Alaa Zouiten


GNAOUA FESTIVAL BERLIN No2

Sie kamen aus Ländern Westafrikas, die heute Mauretanien, Senegal, Niger und Mali heißen, viele von ihnen auch aus dem Westsudan. Jahrhundertelang wurden West-Afrikaner*innen, oftmals noch im Kindesalter, gekidnappt, versklavt und auf Karawanenhandelswegen in die heutigen Maghreb-Staaten verschleppt. Eines der größten Zentren des transsaharischen Menschenhandels befand sich im 16. Jahrhundert in Marokko, etwa 150 Kilometer von Marrakesch entfernt.

 

Heute ist Essaouira eines der wichtigsten Zentren der Gnaoua-Kultur. Zur Herkunft des Begriffs »Gnaoua« oder auch »Gnawa« gibt es verschiedene Annahmen. Vermutlich wurde er vom arabischen »Guinea«, also »Schwarz« abgeleitet. Möglich ist auch eine Ableitung aus dem berberischen akal n iguinaouen, »Land der Schwarzen«. Die »Gnaouis«, die Schwarzen Marokkaner*innen, führen ihren kulturellen Ursprung vor allem zurück auf die Bambara und Songhai, deren Reiche sich um den Niger konzentrierten und vom 15.-17. Jahrhundert sprachlich und kulturell für die Regionen prägend waren, den Haussa aus Staaten wie dem heutigen Benin, Nigeria, Kamerun und Niger, den Peul, deren Fürstentümer von Guinea über Senegal, Mauretanien, Mali und Tschad bis zum Sudan reichten, sowie auf die Kultur der Wolof in Senegal, Gambia und Mauretanien.

Die spirituelle Musik dieser sehr unterschiedlichen westafrikanischen Herkunftskulturen kreolisierten die Gnaouis mit Sufi-Traditionen und Musikstilen der jüdischen und muslimischen Araber*innen und Amazigh Nord-Afrikas und entwickelten so ihre widerständige spirituelle Musik- und Heil-Praxis, die Gnaoua-Kultur, in dessen musikalischem Zentrum die treibende Rhythmik der metallenen »Krakeb«, der Vorgänger der Flamenco-Kastagnetten, steht.

Gnaoua ist gegenwärtig inhärenter Bestandteil marokkanischer Musikkultur. Die Musik des Schwarzen Maghreb wird mit Jazz, Pop und Rock fusioniert. Mit ihrer rhythmusbetonten Musik erneuerten die Gnaouis nicht nur den Sound Marokkos, Algeriens und Tunesiens, sie übten auch großen Einfluss auf die internationale Entwicklung des Jazz aus: Ab den 1960er Jahren interessierten sich renommierte US-Jazzmusiker wie Randy Weston, Archie Shepp oder Joe Zawinul für die Trance-Musik der Gnaouis und traten zusammen mit großen Mâalems (Gnaoua-Meistern) auf – auch Rockstars wie Jimi Hendrix, Led Zeppelin oder Carlos Santana ließen sich von Gnaoua-Musik inspirieren. Im Dezember 2019 entscheidet die UNESCO, ob sie die Gnaoua-Musik zukünftig zum Welterbe der immateriellen Kultur erklärt.

Das GNAOUA FESTIVAL BERLIN No2 wird präsentiert von


Partner

     



MASTERCLASS

MASTERCLASS MIT MAJID BEKKAS & ALY Keïta

14./15.08.2019 | 10:00h  | Club
Eintritt: frei
Nur für professionelle Musiker*innen. Anmeldung erforderlich

Nach der 1. Festival-Edition bereits ein Klassiker: die Gnaoua-Masterclass mit Mâalem Majid Bekkas.

Der vielfach ausgezeichnete Gimbri- und Oud-Spieler Majid Bekkas zählt zu den internationalen Stars der marokkanischen Musikszene und ist in Deutschland über die Zusammenarbeit mit Joachim Kühn und Klaus Doldinger einem großen Publikum bekannt. Allein das Trio Majid Bekkas, Joachim Kühn und Ramón López veröffentlichte fünf sehr erfolgreiche und mit Preisen ausgezeichnete Alben auf dem renommierten Jazzlabel ACT.

Das GNAOUA FESTIVAL BERLIN möchte die Masterclass zu einem wiederkehrenden Angebot zugunsten der Berliner Szene etablieren. Als Coach setzt der charismatische Majid Bekkas in diesem Jahr neue musikalische Schwerpunkte. Unterstützt wird er von seinem langjährigen Kollegen Aly Keïta (Balafon), dem Berliner Star der subsaharischen Musik.

Beide Mâalems - beide Meister - werden an zwei Tagen zusammen mit professionellen Berliner Musiker*innen in einer Art musikalischem Labor neue Stücke erarbeiten. Das Ergebnis wird in dem Konzert »MASTERCLASS BAND – MAJID BEKKAS & ALY KEITA« am 16. August dem Publikum präsentiert.
 

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PARADE

FESTIVALAUFTAKT MIT ALLEN GNAOUA MUSIKER*INNEN

15.08.2019 | 17:00h | Treffpunkt: Südstern
Eintritt: frei

 

Vom Südstern durch die Hasenheide bis zur WERKSTATT DER KULTUREN führt die traditionelle Parade der Gnaoua-Musiker*innen, die in der marokkanischen Küstenstadt Essaouira jährlich Tausende von Besuchern aus der ganzen Welt anzieht. Reich an Farben sind die Trachten, die Krakebs - vierteilige Metallkastagnetten - geben die Gnaoua-Rhythmen vor, begleitet von Gesängen, Tanz und beeindruckenden Sprüngen, der Festivalauftakt!


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KONZERT

ARAB SONG JAM GOES GNAOUA ALL STARS

15.08.2019 | 20:00h | Saal

 

VVK 12,00 EUR
AK 16,00 EUR / 12,00 EUR erm.
 


 

Die »New York Times« beschrieb fasziniert die auffallend ungewöhnliche Diversität des Berliner Publikums bei der regelmäßig in der WERKSTATT DER KULTUREN stattfindenden Reihe ARAB SONG JAM, welche 2019 die transkulturelle Vielschichtigkeit der Räume »Maghreb« und »Mashreq« auslotet. »Cultural mapping« als explorative Suchbewegung, wobei für jedes Konzert ein neuer musikalischer Schwerpunkt gesetzt wird. Alaa Zouiten, der sowohl für das Programm des GNAOUA FESTIVAL BERLIN als auch für einen Teil der ARAB SONG JAM Reihe verantwortlich zeichnet, eröffnet dem Publikum mit diesem Konzert die erste Möglichkeit, unerhörte, vielsagende und bewahrenswerte Musik der Gnaoua-Kultur unmittelbar zu erleben.


Aus London hat er dafür den Gnaoua-»Punk« Simo Lagnawi eingeladen, aus Brüssel kommt Hicham Bilali von den »Black Koyo«, dann die Musiker Rachid Lamouri, Habib Belk, Zakaria Izoubaz und Rabii Rezgoui von »Gnawa Deutschland« und nicht zuletzt Alaa Zouiten selbst.

Besetzung

  • Simo Lagnawi - Gimbri, Krakeb
  • Hicham Bilali - Gimbri, Krakreb, Gesang
  • Rachid Lamouri - Krakeb, Gesang
  • Habib Belk - Gimbri, Gesang
  • Zakaria Izoubaz - Krakeb, Gesang
  • Rabii Rezgoui - Krakeb, Gesang
  • Alaa Zouiten - Oud
     

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WORKSHOP

WORKSHOP MIT SIMO LAGNAWI

16.08.2019 | 15:00h | Sommergarten
Eintritt: frei
Für alle Interessierten. Anmeldung nicht erforderlich.

 

Ein sehr umfangreiches Porträt über Simo Lagnawi, das Ende Juni 2019 in der britischen »Sunday Tribune« veröffentlicht wurde, schließt der Journalist Jude Cowan Montagne mit den Worten: »As a Londoner I feel lucky to have Simo based here, an expert specialist who shares his skills with us within and outside the music community of my city.« Berliner*innen, möchten wir hinzufügen, haben jetzt die Gelegenheit, dem Experten in einem Workshop zu begegnen, um einzutauchen in die komplexe Kultur der Gnaoua. Wer möchte, kann gern Rhythmusinstrumente zum Workshop im Sommergarten mitbringen.

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KONZERT

MASTERCLASS BAND - MAJID BEKKAS & ALY KEïTA

16.08.2019 | 19:00h | Saal

 

VVK 12,00 EUR
AK 16,00 EUR / 12,00 EUR erm.
 



Im vergangenen Jahr gelang ihnen, eines der schönsten Konzerte des Festivals: das Ergebnis des musikalischen Labors nach intensiver Zusammenarbeit herausragender Berliner Musiker*innen mit Majid Bekkas und Aly Keïta. Noch wissen wir nicht, wer alles zu sehen sein wird, und auch nicht, in welcher Besetzung, es ist die »Carte Blanche« des Festivals.

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KONZERT

MEHDI QAMOUM AKA MEDICAMENT

16.08.2019 | 21:00h | Saal

 

VVK 12,00 EUR
AK 16,00 EUR / 12,00 EUR erm.
 

 

Er gilt als der »Enfant Terrible« der aktuellen Musikszene in Marokko. Mit seiner Band widmet er sich der Amazigh-Gnaoua-Tradition aus dem Süden des Landes. Seine Musik verwebt viele Gnaoua- und Amazigh-Elemente aus Agadir und Taroudant, als auch Rock á la Jimi Hendrix. Kulturelles Erbe als eine sich ständig erneuernde Bewegung zwischen der überlieferten immateriellen Kultur und der Gegenwart. Das Ergebnis ist in diesem Fall eine explosive avantgardistische Mischung, welche die Tradition neu interpretiert und zelebriert.


Besetzung

  • Mehdi Qamoum - Gimbri, Gesang, Bandleader
  • Mourad Bachkou - Krakeb, Gesang
  • Hamid Zriouil - Piano
  • Driss Yamdah - Krakeb, Gesang
  • Younes Teftal - Schlagzeug
  • Ousama Menay - Kontrabass
  • Mahfoud Janadi - E-Gitarre

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RECORD RELEASE KONZERT

Asmâa HAMZAOUI & BNAT TIMBOUKTOU

17.08.2019 | 20:00h | Saal

 

VVK 12,00 EUR
AK 16,00 EUR / 12,00 EUR erm.
 

Auch wenn Frauen für Gnaoua-Rituale unverzichtbar sind, gab es bislang nicht viele Gnaoua-Musikerinnen. Asmâa Hamzaoui und die Gruppe »Bnat Timbouktou« sind Teil einer neuen Welle, die das ändert. Hamzaoui stammt aus einer Familie, in welcher Gnaoua-Kultur gelebt und geatmet wurde – ihr Vater ein Meistermusiker, ihre Mutter eine Tänzerin. Als Kind lernte sie die Gimbri zu spielen und schloss sich bereits in einem frühen Alter der Band ihres Vaters an, bevor der sie ermutigte, eine eigene Gruppe zu gründen.

 

»Bnat Timbouktou« entstand, die Band, mit der sie in diesem Herbst ihr erstes Album »Oulad Lghaba« auf dem schwedischen Label Ajabu Records veröffentlichen wird.

»Bnat Timbouktou« wird neben anderen Stücken auch die »schwarze Suite« spielen – laut ihr das Ritual, welches dem Kern der Gnaoua-Kultur am nächsten kommt. Obwohl Hamzaoui in vielerlei Hinsicht eine Traditionalistin ist, sind ihre Stücke auch schöpferische Neuinterpretation vergangener Gegenwarten.

Besetzung

  • Asmâa Hamzaoui - Gimbri, Gesang
  • Aicha Hamzaoui - Krakeb, Gesang
  • Soukaina Elmeliyjy - Krakeb, Gesang
  • Hind Lamgammah - Krakeb, Gesang


RITUAL

LILA BY MâALEM MOKHTAR GANIA & MQADDMA KHADDOUJ HADIDI

17.08.2019 | 22:00h | Tempelhofer Feld / Cabuwazi Zelte

 

VVK 12,00 EUR
AK 16,00 EUR / 12,00 EUR erm.
 

 

Khaddouj Hadidi ist eine angesehene Mqaddma, eine Chefin des Rituals, aus Essaouira. Bereits ihr Vater war ein Mâalem, ein Meister, und auch ihr Ehegatte stammt aus einer renommierten Gnaoua- Familie: Mâalem Mokhtar Gania. Ihr umfassendes Wissen über die Komponenten der Gnaoua-Rituale mit ihren Rhythmen, Farben und Tänzen erlaubt ihr die »Lila« gründlich vorzubereiten und die Teilnehmer*innen in ihre Trance zu begleiten. Unterstützt wird die Mqaddma von vielen Musiker*innen des Festivals. Mâalem Mokhtar Gania hat eine nicht weniger wichtige Rolle, er sorgt für die Verbindung mit dem »Mlouk«.

Besetzung

  • Mokhtar Gania - Mâalem
  • Khaddouj Hadidi - Mqaddma
  • Simo Lagnawi - Gimbri, Krakeb
  • Hicham Bilali - Gimbri, Krakeb, Gesang
  • Rachid Lamouri - Krakeb, Gesang
  • Habib Belk - Gimbri, Gesang
  • Zakaria Izoubaz - Krakeb, Gesang
  • Rabii Rezgoui - Krakeb, Gesang




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