Schwarze Menschen und das Nazi-Regime

 
 


Schwarze Menschen und das Nazi-Regime

Von Verfolgten und Befreiern

Die Reihe beleuchtet in zehn Dokumentar- und Spielfilmen die Lebensrealitäten von Schwarzen Menschen während des Nationalsozialismus in Deutschland, aber auch im von den Nazis besetzen Europa. Während die dominante, von weißen europäischen Erfahrungen geprägte Geschichtsschreibung den Nationalsozialismus oft als Zivilisationsbruch darstellt, kennzeichnet er aus Schwarzer Perspektive auch Kontinuität. Wie stark sind die Vorläufer Schwarzer Schicksale zwischen 1933 und 1945 im Kolonialismus zu suchen und wo wirken sie noch womöglich in unsere Zeit? An drei Abenden sind Expert_innen eingeladen, mit uns ihr Wissen zu teilen.

Diese Reihe wird gezeigt im Rahmen von World Wide Cinema und kuratiert von J. Enoka Ayemba.

Wir weisen unsere Gäste darauf hin, dass in den Filmen u.a. gewaltvolle Bilder gezeigt und gewaltvolle Sprache verwendet werden.

Jeden Donnerstag vom 10.10.2013 bis 14.11.2013.
19.00 Uhr | Saal | Eintritt frei.
 

Programm

10.10. Und wir waren Deutsche / Black survivors of the Holocaust
17.10. Peace, Memories of Anton Kom / Josephine Baker
24.10. Buffalo soldiers
31.10. Oubliés et trahis / L'ami Y a bon
07.11. Schwarze im NS-Staat / Pagen in der Traumfabrik
14.11. Befreien Sie Afrika

 

           

In der historischen Forschung wird die Zahl der in Konzentrationslagern ermordeten Menschen afrikanischer Herkunft auf 2.000 geschätzt. Diese Zahl „berücksichtigt jedoch nicht die zahlreichen Opfer der in Kriegsgefangenlagern inhaftierten Afro-Amerikaner sowie der afrikanischen Soldaten der französischen, belgischen und britischen Kolonialtruppen“, so die afro-deutsche Geschichtswissenschaftlerin Nicola Lauré al-Samarai.

Denn die weitgehend vergessene Geschichte Schwarzer Menschen während des NS-Regimes weist eine enorme Komplexität auf: Die meisten der in Deutschland lebenden Schwarzen wurden Opfer des Regimes. So unterfielen sie ab dem Jahr 1935 den von den Nazis verabschiedeten so genannten „Nürnberger Rassengesetzen“ und verloren größtenteils ihre deutsche Staatsangehörigkeit. Für viele von ihnen war die Unterhaltungsindustrie eine Nische zum Überleben. Sie waren besonders als Statist_innen in rassistischen Kolonial- und Abenteuerfilmen gefragt.

Zugleich engagierten sich Millionen Schwarze in den USA und den damaligen europäischen Kolonien aus Afrika und der Karibik aktiv als Soldaten der Alliierten Truppen. Vor allem in Europa kämpften sie für den Niedergang des NS-Regimes und erlebten hierbei auch Diskriminierung und Entrechtung. Der amerikanische Historiker Raffael Scheck belegte 2009 in dem Buch „Hitlers afrikanische Opfer“, dass die Wehrmacht im Mai und Juni 1940 in Frankreich Massaker an Schwarzen Soldaten und Kriegsgefangenen der französischen Armee verübte. Fast alle wurden ursprünglich in verschiedenen westafrikanischen Kolonien Frankreichs rekrutiert und irrtümlicherweise „Tirailleurs Sénégalais“ genannt. Diesen spezifisch motivierten Verbrechen deutscher Soldaten wurde nach Ende des Krieges weder von Frankreich, Deutschland noch von einem anderen verstrickten Land verfolgt.
 

 

 
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