November 2010

 

Made In Germany

Donnerstag 25.11.2010 19:00 Uhr | Club

Eintritt: Frei

Veranstalter/-in: Werkstatt der Kulturen
Kurator/-in: Masayo Kajimura

Produktion

 

Jedes Mal nehme ich 9 kg zu, wenn ich in Hong Kong bin
(Videoessay, R: Bin Chuen Choi, D 2002, 30 min, Deutsch und Kantonesisch mit dt. UT)

Kurz bevor die Kronkolonie Hong Kong an China zurückfällt, bin ich noch einmal dorthin geflogen. Ich habe gedacht, dass meine Heimat nach der Übergabe nicht mehr die selbe sein wird, wie ich sie einmal kannte.
Kurz nach meiner Ankunft entdecke ich viele Sachen, die ich früher für selbstverständlich gehalten hatte und mir inzwischen sehr merkwürdig vorkommen. Ich betrachte die Stadt aus einem anderen Blickwinkel. Der langjährige Aufenthalt in Deutschland hat mich meiner Heimat entfremdet. Meine Erinnerung an Hong Kong ist vage geworden, so dass ich mir die Frage stellen muss, ob ich sie jemals kannte.
Anstatt wie ursprünglich geplant, die Übergabe von Hong Kong zu dokumentieren, entschließe ich mich, während meines Aufenthalts ein Videotagebuch über meine subjektiven Beobachtungen zu führen. Die Übergabe bleibt im Hintergrund und entsteht hauptsächlich durch die vom Fernseher abgefilmten Nachrichtenbilder auf einer parallelen Ebene.

Old Choi’s Film
(Videoessay/Dokumentarfilm, R: Bin Chuen Choi, D 2002, 18 min, Kantonesisch mit dt. UT)

“Old Choi’s Film” dokumentiert die letzten sieben Wochen im Leben meines Vaters in Hong Kong. Ich habe schon immer Aufnahmen von meinem Vater gemacht, wenn ich aus Berlin zu Besuch da war. Als ich erfuhr, dass er Krebs im fortgeschrittenen Stadium hat, beschloss ich, möglichst viel Zeit mit ihm zu verbringen. Die letzten sieben Wochen blieb ich mit meiner Kamera bei ihm und kam ihm in dieser Zeit noch einmal sehr nah.
In meinem Film füge ich Fragmente der letzten Phase seines Lebens chronologisch zusammen. Von dem ersten Wiedersehen im Restaurant bis zur letzten Aufnahme im Krankenhaus fanden alle Aufnahmen in den Räumen statt, die meinen Vater tagtäglich umgaben. Während seiner ersten Krankenhausaufenthalte haben wir eine neue Wohnung für ihn gefunden, von der wir annahmen, dass er sich in ihr besser erholen könnte, als in seiner alten Wohnung. Leider konnte er dann dort nur 10 Tage verbringen.
Ich möchte mit diesem Film über die Erfahrung des Zerfalls und Sterbens eines nahe stehenden Menschen sprechen. Der Tod ist ein natürlicher Vorgang und eine persönliche Erfahrung, die für jeden Menschen unvermeidbar ist.


Lost Property Hong Kong
(Videoessay, R: Bin Chuen Choi, D 2007, 20 min, Deutsch und Kantonesisch mit dt. UT)

Der Filmemacher kehrt als sein eigener Protagonist in seine Heimatstadt Hongkong zurück. Er besucht vertraute Orte, seine Familie und alte Freunde. Dabei werden Prozesse von Vergänglichkeit sichtbar und sein Wunsch, in der Erinnerung zu verharren. Auf Deutsch übersetzt bedeutet „Lost Property“ verlorene Gegenstände, Fundsachen oder auch Fundbüro. Hier bezieht sich der Titel auf die persönliche Betrachtung und Erfahrung von Vergänglichkeit und Verlust, die der Regisseur und Autor gesammelt hat. Der Film greift das Prinzip eines Fundbüros auf: Die Zuschauer betrachten die „Fundobjekte“ und erkennen möglicherweise etwas, das sie sich mitnehmen können.

Der Regisseur Bin Chuen Choi ist als Gesprächsgast angefragt.