Februar 2012

 
 

ALTÄRE DES CANDOMBLÉ

Donnerstag 02.02.2012 16:00 | ganzes Haus

Eintritt: 3 €

Veranstalter/-in: Werkstatt der Kulturen

Kooperation

(c) Fernando Miceli

Für den BHM 2012 wird der in Berlin ansässige Babalorixá Murah Soares eine in Deutschland einmalige Sonderausstellung mit zehn verschiedenen Altären des Candomblé in der WdK errichten.

Die Ausstellung hat den gesamten Februar über geöffnet (außer montags) und der Eintritt ist frei. Die Führung kostet 3 Euro.

Der Candomblé ist eine afro-brasilianische Religion, deren Ursprung in der Religion Ifá liegt, die im alten Yoruba-Reich (heutiges Benin und Südwestnigeria) entstand. Die Stadt Ile-Ife war seit ältester Zeit ihr religiöses Zentrum. Vom 8.-15. Jahrhundert erlebte sie ihre Blütezeit. Trotz Islamisierung und Christianisierung ist Ifá auch heute noch fester Bestandteil des kulturellen und spirituellen Lebens vieler Yoruba.

Im Zuge der europäischen Versklavung von AfrikanerInnen und ihrer anschließenden transatlantischen Deportation in die Amerikas, wurden v.a. Angehörige der Yoruba, Ewe, Fon und Bantu nach Brasilien verschleppt. Ihre Religionen und die dazugehörige Musik nahmen sie mit. Jahrhundertelang von der katholischen Kirche als »Naturreligion « diskreditiert und verfolgt, glaubt auch der Candomblé an einen allmächtigen Gott (Olurun) als höchstes Prinzip. Wegen seiner überwältigenden Kraft wird er jedoch nur selten direkt verehrt. Stattdessen werden seine göttlichen Aspekte – die Orixás – angerufen.

Candomblé - Religion, Kultur, Lebensstil

Die einzelnen Orixás haben jeweils spezifische Eigenschaften. Ihnen werden bestimmte Farben und Symbole zugeordnet und sie erfahren jeweils eine ganz eigene Form der Verehrung und Anrufung durch unterschiedliche Tänze, Rhythmen, Gebete, Gesänge und kunstvoll geschmückte Altäre, die zu festgelegten Terminen und Zeiträumen errichtet werden. Auf diesen von PriesterInnen des Candomblé geschmückten Altären, werden dem jeweiligen Orixá zugeordnete Opferspeisen, Getränke, Insignien oder auch Pflanzen und Mineralien ausgestellt bzw. dargebracht.

Die PriesterInnen im Candomblé, die Yalorixás (weiblich) und Babalorixás (männlich), sind HeilpraktikerInnen, TherapeutInnen, WeissagerInnen und LebensberaterInnen in Einem. Mit Hilfe des Orakels Ifá erkennen sie sowohl für die Gemeinschaft, als auch für jeden einzelnen, für den sie das Orakel befragen, was aus der Balance geraten ist oder in eine Schieflage abzugleiten droht. Sie können erkennen, durch welche Rituale, Kräuter, Waschungen und Zeremonien Harmonie und gegebenenfalls Heilung auf geistigseelischer Ebene wiederhergestellt werden kann und schaffen so die Voraussetzung dafür, dass sich körperliche und geistige Gesundheit einstellen kann oder erhalten bleibt. Der Candomblé ist damit nicht nur Religion, sondern auch Kultur und Lebensstil.

Todesstrafe fürs Trommeln

Der Candomblé hat auch Weltanschauungen der brasilianischen First Nations in seine Praxis integriert. Im sakralen Liederkanon wird jedoch deutlich, dass die Musiktraditionen des Candomblé eng verwandt sind mit anderen afro-amerikanischen Religionen: Obgleich über Jahrhunderte voneinander isoliert, werden bei Ritualen zu Ehren der Orixás in Brasilien und Kuba bis heute die gleichen Lieder in einem altertümlichen Yoruba gesungen.

Im Gegensatz zu Nigeria und Benin, wo Ifá heute eher patriarchal organisiert ist, hat sich in Brasilien der Candomblé über die Jahrhunderte zu einer der wenigen von Frauen dominierten Religionen weltweit entwickelt. Aus einem einfachen Grund: Afrikanischen Männern wurde von portugiesischen Menschenhaltern und Plantagenbesitzern die Ausübung ihrer Religion – insbesondere das als bedrohlich wahrgenommene Spiel der Trommeln – unter Androhung der Todesstrafe verboten. Bis in die späten 60er Jahre des 20. Jahrhunderts hinein in Brasilien verfolgt, wurde der Candomblé erst in den 70er Jahren offiziell als Religion anerkannt.

Heute nehmen in Brasilien rund 70 Mio. Menschen an Candomblé-Ritualen teil. 2005 wurde das Ifá-Kulturerbe zum UNESCO Meisterwerk des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit ernannt.

Führungen durch die Ausstellung mit Murah Soares - jeden Donnerstag im Februar 2012 um 16 Uhr
Führung 3 Euro, Treffpunkt im Café im Foyer der Werkstatt der Kulturen!

 

 

 
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