Juni 2014

 

The Story Behind the Speech

Sonntag 01.06.2014 16:00 | Saal

Eintritt: frei

Veranstalter/-in: Werkstatt der Kulturen/ Die neue Weltbühne, Heinrich-Böll-Stiftung, British Council

Kooperation

Martin Luther Kings "I have a Dream" damals und heute

Eine historische Betrachtung in den USA und darüber hinaus

Programm | Panel

Am 28. August 1963 hielt der Bürgerrechtsaktivist und Baptistenprediger Dr. Martin Luther King Jr. seine 16-minütige Rede als Höhepunkt des "Marschs auf Washington für Jobs und Freiheit". Sie fand unter dem Titel „I have a Dream“ Eingang in die kollektiven Archive. Erst am Ende der Ansprache schob King sein Manuskript spontan beiseite und wechselte vom Modus der politischen Rede zu jenem der utopistischen Predigt. Er kreierte so ein afrofuturistisches Moment avant la lettre, das in den darauffolgenden Jahrzehnten für viele unterschiedliche politische Projekte teils genutzt, teils auch instrumentalisiert werden sollte.

Book TV: Gary Younge, "The Speech: The Story Behind Dr. Martin Luther King Jr.'s Dream" | Video ansehen

 

 


Gary Younge, Autor von The Speech - The Story Behind Dr. Martin Luther King Jr.'s Dream, schrieb 2003 in The Guardian anlässlich des 50sten Jahrestags der Rede dazu, die Stärke der Rede läge nicht nur in ihrem tiefen Verständnis für Ihr Publikum – insbesondere die 250.000 zumeist Schwarzen Menschen vor Ort – auch die Millionen, die die live Übertragung vor dem heimischen Fernseher verfolgten oder in ihrer oratorischen Klarheit und Brillianz, sondern insbesondere in ihrer Gleichzeitigkeit von zeitgemäßer Botschaft und zeitlosem Anspruch. Sie bot so die Möglichkeit zu vielfältigen Formen der Entextualisierung. So sollten ihre Aspekte des universellen Humanismus noch Jahre und Jahrzehnte später zu nordirischen Katholiken der 60er Jahre, Schwarzen Südafrikaner/innen in den Townships der 70er und 80er Jahre wie zu den europäischen Sinti und Roma heute sprechen. Auch weiße LGBT-Gruppen oder selbst erzkonservative weiße US-amerikanische Politiker/innen wie auch Kolumnen in deutschen Wochenzeitungen bedienten sich der King’schen Traum-Metapher, um ihren politischen Forderungen und gesellschaftspolitischen Hoffnungen Ausdruck zu verleihen – oftmals misstrauisch bezeugt von Schwarzen Aktivist/innen, die darin häufig weniger eine kulturelle Würdigung (appreciation) als eine dekontextualisierte Aneignung (appropriation) sehen.

Denn die heutige Lage vieler Afro-Amerikaner/innen ist trotz der formal eingelösten Versprechen als Konsequenz der Bürgerrechtsbewegungen alles andere als rosig. Während es der Schwarzen Mittelschicht vergleichsweise gut geht, sprechen die Gefängnisstatistiken für sich. Und so sagt Gary Younge zuweilen, wenn er in den USA gefragt wird, wo es denn nun besser sei, in seinem heimischen Großbritannien oder in den USA: „Tja, hier kannst du Präsident werden, läufst aber auch eher Gefahr erschossen zu werden.“ Ein Verweis auf den 2012 in Florida ermordeten 17-jährigen Trayvon Martin.

Nur wenige Wochen nach MLKs Washingtoner Auftritt riss eine Bombe des Ku-Klux-Clans in einer Kirche in Birmingham (Alabama) vier kleine Schwarze Mädchen in den Tod. Wenige Jahre später fiel der charismatische Bürgerrechtler Martin Luther King Jr. dann selbst einem rassistischem Mordattentat zum Opfer, er hatte bereits vorher geahnt, dass dies irgendwann sein Schicksal sein würde.

MLKs visionäre Rede am Lincoln Memorial als Inbegriff charismatischer Führerschaft erscheint heute in Filmen, Ausstellungen und im populären/kollektiven Gedächtnis als Motor Schwarzer Geschichte seit der Bürgerrechtsbewegung. King’s antirasisstische wie auch antiimperialistische Haltung war aber auch stets transnational eingebettet. Auch für afroeuropäische Communities spielte das Leben und Wirken von MLK eine wichtige Rolle.

Im Rahmen der Veranstaltung soll neben der historischen Betrachtung auch die Auswirkung der Rede auf mehrere Generationen, Nationalitäten und politische Aktivist/innen analysiert und diskutiert werden.

 

Programm

  • 16:00 - 17:00 h Film Screening „The March“ von John Akomfrah (2013)
  • 17:00 - 17:15 h Begrüßung
    Mekonnen Mesghena - Heinrich-Böll-Stiftung
  • 17:15 - 18:15 h: Keynote und Buchvorstellung
    Gary Younge - Journalist & Autor von
    The Speech - The Story Behind Dr. Martin Luther King Jr.'s Dream
    anschließend Q & A
  • 18:15 - 18:45 h Impulse und Kommentare
    Austen P. Brandt - Pfarrer & Gründer von Phoenix e.V.
    Saraya Gomis - Pädagogin & Co-Initiatorin des multimedialen Schul-/Jugendprojekts „King Code“
    Ron Williams – Schauspieler, Sänger & Entertainer
  • 18:45 - 19:15 h Panelgespräch
    Gary Younge / Saraya Gomis / Austen P. Brandt / Ron Williams
  • 19:15 - 19:30 h Q & A


Moderation: Mekonnen Mesghena (Heinrich-Böll-Stiftung) und Anjana Shrivastava (Die Neue Weltbühne)

 

Gary Younge

  

Gary Younge lebt in Chicago und ist Kolumnist von The Guardian. Er ist Autor von u.a. Who are We? And Should it matter in the 21st century? und Stranger in a Strange Land: Travels in the Disunited States.

Aufgewachsen in Großbritannien unterrichtete Gary Younge schon mit 17 Jahren in UN-Schulprojekten im Sudan. An der Universität von Edinburgh studierte er Französisch und Russisch und danach Journalismus in London und Washington als Stipendiat des Guardian. 2009 wurde er Belle Zeller Visiting Professor for Public Policy and Social Administration at Brooklyn College, City University of New York.

 

Film Screening

The March (2013) ist ein 60minütiger Dokumentarfilm (Trailer), der anlässlich des 50jährigen Jubiläums des “Marschs auf Washington” im Auftrag von PBS, BBC und France 3 produziert wurde. The March enthält historisches Filmmaterial sowie Zeitzeug/innen-Interviews mit den Schlüsselfiguren Jack O’Dell, Clarence B. Jones, Julian Bond und Andrew Young sowie testimonials von Joan Baez, Harry Belafonte, Diahann Carroll, Roger Mudd, Peter Yarrow und Oprah Winfrey sowie Wortbeiträge namhafter Historiker/innen und Journalist/innen.

  • Regie: John Akomfrah
  • Produktion: Lina Gopaul & David Lawson
  • Narration: Denzel Washington
     

Panel

Austen P. Brandt ist ein deutsch-britisch-nigerianischer evangelischer Theologe. Seit 1984 ist der verheiratete Vater von drei Kindern im Duisburger Stadtteil Walsum-Aldenrade als evangelischer Pfarrer tätig.

Als in London ausgebildeter Trainer für Anti-Rassismus- und Schwarzes-Bewusstseins-Trainings war er dann 1993 Mitgründer von Phoenix e.V. – Für eine Kultur der Verständigung. Zielsetzung des Vereins ist es, Menschen für den Rassismus in seinen alltäglichen wie strukturellen Erscheinungsformen zu sensibilisieren und gemeinsam Wege der Verständigung zu entwickeln.


Saraya Gomis
ist Lehrerin und arbeitet nun seit 3 Jahren mit „großartigen Schüler_innen aus dem Wedding“ zusammen. So entstand das Projekt Martin L. King. Auf Spurensuche Dr. Kings: Von der Multimediashow bis zum King-Code. Dieses einjährige schulübergreifende Projekt der Ernst-Reuter-Oberschule und des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums ging und geht anlässlich der 50jährigen Jahrestage von Martin Luther Kings Rede I have a Dream am 28. August 2013 und seines Berlinbesuchs im September 2014 ein Jahr lang auf Spuren-suche: Zeitzeugen wurden befragt, ein virtueller Stadtrundgang erstellt, eine Ausstellung auf den Weg gebracht.


Ron Williams
, geboren im kalifornischen Oakland, kam nach seiner militärischen Ausbildung als Journalist und AFN- Sprecher nach Deutschland. Bald bekam er auch Radio- TV- und Bühnenauftritte als Kabarettist, Sänger und Schauspieler in ganz Europa. Von 2002 bis 2005 stand er bei I Have a Dream - Die Martin Luther King Story in der Titel-Rolle auf vielzähligen europäischen Theaterbühnen. Für das MLK-Musical King of Love fungierte er 2007 als Autor, Komponist und Hauptdarsteller. Stetig entwickelte er sein Multitalent und ist nach wie vor umfassend medienpräsent als Schauspieler, Kabarettist mit eigenen One-Man-Shows und als Sänger.

 

Veranstaltungssprache ist Englisch.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit
 

      
 

 

 

 
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