August 2019

 

Gnaoua Festival Berlin No2

Freitag 16.08.2019 15:00 | Saal, Sommergarten

Eintritt: Workshop: frei | Konzerte: VVK 12,00 EUR, AK 16,00 EUR / 12,00 EUR erm.

Veranstalter/-in: Werkstatt der Kulturen
Kurator/-in: Alaa Zouiten

Produktion

WORKSHOP

WORKSHOP MIT SIMO LAGNAWI

15:00h | Sommergarten
Eintritt: frei
Für alle Interessierten. Anmeldung nicht erforderlich.

 

Ein sehr umfangreiches Porträt über Simo Lagnawi, das Ende Juni 2019 in der britischen »Sunday Tribune« veröffentlicht wurde, schließt der Journalist Jude Cowan Montagne mit den Worten: »As a Londoner I feel lucky to have Simo based here, an expert specialist who shares his skills with us within and outside the music community of my city.« Berliner*innen, möchten wir hinzufügen, haben jetzt die Gelegenheit, dem Experten in einem Workshop zu begegnen, um einzutauchen in die komplexe Kultur der Gnaoua. Wer möchte, kann gern Rhythmusinstrumente zum Workshop im Sommergarten mitbringen.

 



KONZERT

MASTERCLASS BAND - MAJID BEKKAS & ALY KEïTA

19:00h | Saal

 

VVK 12,00 EUR
AK 16,00 EUR / 12,00 EUR erm.
 


Im vergangenen Jahr gelang ihnen, eines der schönsten Konzerte des Festivals: das Ergebnis des musikalischen Labors nach intensiver Zusammenarbeit herausragender Berliner Musiker*innen mit Majid Bekkas und Aly Keïta. 

Besetzung

  • Majid Bekkas - Gimbri, E-Gitarre, Gesang
  • Aly Keïta - Balafon
  • Arcadius Didavi - E-Bass
  • Djielifily Sako - Kora
  • Moussa Coulibaly - N'goni/Balafon
  • Myriam El Haik - Piano
  • Marth-jose Fambo - Piano/Keyboard
  • Jarita Freydank - Schlagzeug/Gesang
  • Willy Sahel - E-Bass/Gesang
  • Alhousseini Mohamed Anivolla - E-Gitarre/Gesang
  • Fuasi Abdul-Khaliq - Saxophon


KONZERT

MEHDI QAMOUM AKA MEDICAMENT

21:00h | Saal

 

VVK 12,00 EUR
AK 16,00 EUR / 12,00 EUR erm.
 

 

Er gilt als der »Enfant Terrible« der aktuellen Musikszene in Marokko. Mit seiner Band widmet er sich der Amazigh-Gnaoua-Tradition aus dem Süden des Landes. Seine Musik verwebt viele Gnaoua- und Amazigh-Elemente aus Agadir und Taroudant, als auch Rock á la Jimi Hendrix. Kulturelles Erbe als eine sich ständig erneuernde Bewegung zwischen der überlieferten immateriellen Kultur und der Gegenwart. Das Ergebnis ist in diesem Fall eine explosive avantgardistische Mischung, welche die Tradition neu interpretiert und zelebriert.


Besetzung

  • Mehdi Qamoum - Gimbri, Gesang, Bandleader
  • Mourad Bachkou - Krakeb, Gesang
  • Hamid Zriouil - Piano
  • Driss Yamdah - Krakeb, Gesang
  • Younes Teftal - Schlagzeug
  • Ousama Menay - Kontrabass
  • Mahfoud Janadi - E-Gitarre

 

 


GNAOUA FESTIVAL BERLIN No2*

ARCHIV & AVANTGARDE – AFRICAN CULTURAL HERITAGE

*zum gesamten Programm

Sie kamen aus Ländern Westafrikas, die heute Mauretanien, Senegal, Niger und Mali heißen, viele von ihnen auch aus dem Westsudan. Jahrhundertelang wurden West-Afrikaner*innen, oftmals noch im Kindesalter, gekidnappt, versklavt und auf Karawanenhandelswegen in die heutigen Maghreb-Staaten verschleppt. Eines der größten Zentren des transsaharischen Menschenhandels befand sich im 16. Jahrhundert in Marokko, etwa 150 Kilometer von Marrakesch entfernt.

 

Heute ist Essaouira eines der wichtigsten Zentren der Gnaoua-Kultur. Zur Herkunft des Begriffs »Gnaoua« oder auch »Gnawa« gibt es verschiedene Annahmen. Vermutlich wurde er vom arabischen »Guinea«, also »Schwarz« abgeleitet. Möglich ist auch eine Ableitung aus dem berberischen akal n iguinaouen, »Land der Schwarzen«. Die »Gnaouis«, die Schwarzen Marokkaner*innen, führen ihren kulturellen Ursprung vor allem zurück auf die Bambara und Songhai, deren Reiche sich um den Niger konzentrierten und vom 15.-17. Jahrhundert sprachlich und kulturell für die Regionen prägend waren, den Haussa aus Staaten wie dem heutigen Benin, Nigeria, Kamerun und Niger, den Peul, deren Fürstentümer von Guinea über Senegal, Mauretanien, Mali und Tschad bis zum Sudan reichten, sowie auf die Kultur der Wolof in Senegal, Gambia und Mauretanien.

Die spirituelle Musik dieser sehr unterschiedlichen westafrikanischen Herkunftskulturen kreolisierten die Gnaouis mit Sufi-Traditionen und Musikstilen der jüdischen und muslimischen Araber*innen und Amazigh Nord-Afrikas und entwickelten so ihre widerständige spirituelle Musik- und Heil-Praxis, die Gnaoua-Kultur, in dessen musikalischem Zentrum die treibende Rhythmik der metallenen »Krakeb«, der Vorgänger der Flamenco-Kastagnetten, steht.

Gnaoua ist gegenwärtig inhärenter Bestandteil marokkanischer Musikkultur. Die Musik des Schwarzen Maghreb wird mit Jazz, Pop und Rock fusioniert. Mit ihrer rhythmusbetonten Musik erneuerten die Gnaouis nicht nur den Sound Marokkos, Algeriens und Tunesiens, sie übten auch großen Einfluss auf die internationale Entwicklung des Jazz aus: Ab den 1960er Jahren interessierten sich renommierte US-Jazzmusiker wie Randy Weston, Archie Shepp oder Joe Zawinul für die Trance-Musik der Gnaouis und traten zusammen mit großen Mâalems (Gnaoua-Meistern) auf – auch Rockstars wie Jimi Hendrix, Led Zeppelin oder Carlos Santana ließen sich von Gnaoua-Musik inspirieren. Im Dezember 2019 entscheidet die UNESCO, ob sie die Gnaoua-Musik zukünftig zum Welterbe der immateriellen Kultur erklärt.

Kuration: Alaa Zouiten


 

Das GNAOUA FESTIVAL BERLIN No2 wird präsentiert von


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